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Holz ABC

Edelkastanie

din_en_13556 CTST
botanische_bezeichnung Castanea sativa, Familie Fagaceae
verbreitung Mittelmeergebiet einschließlich Nordafrika, Kleinasien und Kaukasusregion, nördlich der Alpen auch kultiviert
handelsnamen Echte Kastanie, Esskastanie (DE); châtaignier (FR); castagno domestico (IT); sweet chestnut (GB); castaño, castaño regoldo (ES); castanheira (PT)
vti 1
kurzbeschreibung

Die Edelkastanie ist ein typischer Baum des Mittelmeer-Raumes mit breiter Krone und kräftigem Stamm. Seit dem Altertum wird sie in vielen Regionen kultiviert, weiter im Süden vorwiegend im Niederwald für die Holzproduktion, weiter nördlich vor allem wegen der essbaren Früchte, den maroni, die über Jahrhunderte in der Region als Grundnahrungsmittel dienten. Weitere Arten der Gattung sind die in Japan und Korea beheimatete C. crenata (Japanische Kastanie) sowie die in Nordamerika heimische C. dentata (Amerikanische Kastanie), deren Bestände jedoch durch den Kastanien- Rindenkrebs (Cryphonectria parasitica) so stark dezimiert wurden, dass heute weder Früchte noch Holz von wirtschaftlichem Interesse sind.

stammform

Als mittelgroßer bis großer Baum wird die Edelkastanie meist zwischen 20 und 25 m hoch. Einzelexemplare werden auch bis zu 35 m. Die Durchmesser betragen 0,6 bis 1,2 m. Ältere Bäume können mehrere Meter dick sein, da die Edelkastanie sich durch ein bis in das hohe Alter unvermindert anhaltendes Dickenwachstum auszeichnet. Im Bestandesschluss erwachsene Bäume sind langschäftig, von schlankem Kronenbau, ihre Stämme zylindrisch, geradschäftig und mit astfreien Längen von 6 bis 12 m. Besonders erwähnenswert ist das besonders große Stockausschlagsvermögen.

farbe_und_struktur

Der schmale, weißlich gelbe Splint unterscheidet sich deutlich vom leder- bis dunkelbraunen Kernholz. Das Holz ist ringporig, die Poren im Frühholz sind groß und auffällig oval, einzeln stehend, regelmäßig mit Thyllen und in ein helles Speichergewebe eingebettet. Auf Tangentialflächen bestimmen die Frühholzporen als markante helle Fladern und radial als lichte, feine Streifen das Holzbild. Die Spätholz-Poren sind in radialen bis diagonalen Feldern (geflammt) angeordnet, ähnlich wie bei den Weißeichen (Quercus spp., M 63), von denen sich das Holz der Edelkastanie jedoch durch das Fehlen der breiten und hohen Holzstrahlen und die geringere Rohdichte gut unterscheiden lässt. Das Holz hat einen leicht säuerlichen Geruch.

gesamtcharakter

Farblich ansprechendes, durch Frühholz-Porenringe in allen Schnittrichtungen auffällig strukturiertes Holz.

bearbeitbarkeit

Das Holz der Edelkastanie ist mittelschwer und lässt sich mit Hand- und Maschinen- Werkzeugen bei mäßigem Kraftaufwand sehr gut sägen, hobeln, fräsen, bohren und drechseln und ist auch sehr gut spaltbar. Nagel- und Schraubverbindungen halten gut, die Verklebung mit handelsüblichen Leimen ist wegen des stark sauren Charakters des Holzes mitunter problematisch. Die Oberflächen- Behandlung mit gängigen Mitteln ist unproblematisch.

trockung

Das Holz der Edelkastanie trocknet nicht nur langsam, sondern es neigt auch stärker zum Reißen und Verwerfen. Auch besteht eine Tendenz zum Zellkollaps, ohne dass sich dieser durch Dämpfen befriedigend rekonditionieren lässt. Die Trocknung bedarf größter Sorgfalt, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen. Es empfiehlt sich, zunächst eine Lufttrocknung vorzunehmen und anschließend das lufttrockene Holz in der Trockenkammer auf die gewünschte Gebrauchsfeuchte nachzutrocknen.

nat_dauerhaftigkeit

Das Kernholz der Edelkastanie gilt als dauerhaft gegen Befall durch Holz zerstörende Pilze sowie Insekten. Im Außenbau wird das Holz auch gelegentlich im Erdkontakt (Gebrauchsklasse 4) eingesetzt, zum Beispiel in der Schweiz für Lawinen-Verbauungen und Gartenanlagen.

verwendungsbereiche

Das Holz der Edelkastanie ist ein begehrtes Ausstattungsholz für Möbel, Verkleidungen, Treppen und Parkett sowie für dekorative Furniere. Im Außenbau dient es als Konstruktionsholz für mittlere mechanische Beanspruchung. Die jährlich meterlangen Stockausschläge werden für Rebpfähle genutzt. Lokal wird das Holz auch für den Fassbau, die Gewinnung von Gerbstoff, Schwellen und die Herstellung von Zellstoffen verwendet. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist überdies die Fruchtproduktion sowie die Gewinnung von einem sehr dunklen Honig hoher Qualität.

austauschhoelzer

In erster Linie für Holz der Weißeichen (M 63) wenn an die mechanische Belastbarkeit keine hohen Ansprüche gestellt werden.

anmerkungen

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) ist mit der Edelkastanie nicht verwandt und unterscheidet sich von dieser durch ihr feines, zerstreutporiges und helles, gelblich-weißes Holz.

literatur

Kučera, L.J. & B. Gfeller 1994: Einheimische und fremdländische Nutzhölzer. Eigenverlag, Zürich und Biel
Sell, J. 1989: Eigenschaften und Kenngrößen von Holzarten. Lignum, Baufachverlag AG Zürich.
Roloff, A., Weisgerber, H., Lang, U.M. & Stimm (Herausgeber) 1994. Castanea sativa. Enzyklopädie der
Holzgewächse
Handbuch und Atlas der Dendrologie. Loseblattsammlung. Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim

gewicht_frisch 1060 kg/m³
rohdichte_lufttrocken 0,54—0,60—0,66 g/cm³
druckfestigkeit 40—52 N/mm²
biegefestigkeit 63—79 N/mm²
elastizitaetsmodul 8 200—8 800 N/mm²
bruchschlagbarkeit 55—58 kJ/m²
haerte_janka 2,5—5,1 kN
haerte_brinell 15—23 N/mm²
trocknungsschwindmass_radial 1,7—2,1 %
trocknungsschwindmass_tangential 2,7—3,4 %
diff_schwindmass_radial 0,13—0,16 %
diff_schwindmass_tangential 0,21—0,26 %
ph_wert ca. 2,8 (stark sauer)
nat_dauerhaftigkeit_din Klasse 2
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bild_1_url_voll https://www.gdholz.net/images/holzarten/150-edelkastanie-1.jpg
bild_1_beschreibung Edelkastanie (Castanea sativa): Querschnitt (ca. 12x)
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bild_2_url_voll https://www.gdholz.net/images/holzarten/150-edelkastanie-2.jpg
bild_2_beschreibung Edelkastanie (Castanea sativa): Oberfläche (natürliche Größe)
   
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